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“…und plötzlich bin ich schon ein paar Wochen hier!”

Unsere Praktikantin Jeanne ist nun seit genau einem Monat vor Ort auf den Philippinen. Wir haben nachgefragt, wie es ihr ergeht und welche Eindrücke sie bisher gewonnen hat.

Jeanne Du bist mit 18 Jahren nicht nur sehr jung, sondern auch die erste “Praktikantin”, die für chance for growth im Einsatz ist. Was hat Dich nach dem Schulabschluss motiviert mehrere Wochen auf den Philippinen zu verbringen?

Ich wollte nach der Schule ein bisschen was anderes sehen, andere Kulturen, andere Leute, andere lebensweisen, nicht sofort studieren (weil ich noch gar nicht so sicher war und weil das noch  früh genug los geht). Entwicklungszusammenarbeit war aber mit das einzige, was ich mir vorstellen konnte, deshalb ein NGO-Praktikum..  und dann wollte ich vor allem auch mal ein bisschen auf mich gestellt sein. Da ich auf die Arbeit von Chance for growth dann durch ein Schulprojekt aufmerksam geworden bin, hab ich einfach mal nachgefragt, und plötzlich bin ich dann auch schon seit ein paar Wochen hier.

Auf Dich  allein gestellt in einer anderen Kultur, dieses Ziel hast Du sicher erreicht. Aber, ganz ehrlich: Gab es vielleicht auch schon den einen oder anderen Moment, indem Du damit gehadert hast, nicht z.B. wie andere Schulabgänger mit nem Surfbrett australische Küsten zu erkunden?

Ich kann ja garnicht surfen…- Klar wär das cool gewesen, aber ich wollte was anderes machen… wie gesagt kommt als Studium in Frage, und mich interessiert auch Asien sehr, wahrscheinlich auch weil ich mit meinem Papa schon ab und zu mal hier unterwegs war…
Und sowas wie ein Surfurlaub, wenn auch vielleicht aus finanziellen Gründen nicht unbedingt in Australien, würde ich mit Freunden in den Semesterferien machen.

Nun gut, Du wolltest was “sinnvolles” mit Deiner Zeit anstellen: Warum glaubst Du, daß junge Menschen sich das Leben auf den Straßen von Manila oder einem fast vergessenen Fleck Erde wie zB der Isla Verde mal genauer anschauen sollten?

Da passt ja auch das CFG Motto:” Seeing ist believing”. Ich finde es total interessant, zu sehen und zu erleben, wie das Zusammenleben in anderen Kulturen funktioniert, das kann man so auch nirgends nachlesen…

Vor allem sobald Kinder involviert sind hat man das Gefühl Teil einer nachhaltigen guten Sache zusein. Die Erfahrung von Hilfsbereitschaft machen die Kinder zwar immer häufiger, aber wertvoll ist es trotzdem, wenn man sich anschaut wie die da aufwachsen. Es gibt zum Beispiel so viel Bedarf, der aber oft nicht geäußert wird. Vieles wird akzeptiert und toleriert, an vieles wird sich gewöhnt. Zum Beispiel daran,dass bei schlechtem Wetter das Boot  ins nächste Krankenhaus halt nicht fährt.

 Welcher Eindruck vermittelt sich Dir vom Land und den Menschen nach ein paar Wochen?

Eindrücke von den Menschen…
Super offen, gastfreundlich, friedlich, glücklich, bescheiden, schüchtern, teils extrem leidensfähig und total gemeinschaftlich. Man sieht schon schlimme Armut, und es ist immer wieder krass zu sehen, wie hier damit umgegangen wird. Auch wenn die Fassade dann manchmal ein wenig bröckelt.

Und das Land… Große Gegensätze. War bis jetzt hauptsächlich in Manila und auf der Isla verde unterwegs, verschiedener geht’s nicht. Wuselig, chaotisch, laut und dreckig gegen simpel, total abgeschieden und einsam. Und trotzdem sind die Leute überall gleich fröhlich, grinsen meistens ohne Zähne und teils auf einem Auge blind und freuen sich einfach, dass man da ist…

Was meinst Du mit “Fassade”?

Umgang mit extremer Armut, der geprägt ist von viel Akzeptanz und Toleranz.
Die “Fassade” heißt hier “masaya”, das bedeutet so viel lebenslustig. So ist auch der Umgang mit extremer Armut. Wie gesagt, insgesamt wirken die Filipinos vor allem auf der Insel fröhlich und unbekümmert, das passt manchmal gar nicht mit ihrer Situation zusammen. Das scheint aber auch eine kulturelle Sache zu sein, man hört oft “Bahala na”- so ist es eben. Wenn man genauer nachfragt, kann sich das aber ändern. Natürlich gibt es trotzdem eine Menge Verzweiflung, aber es wird sich eben lieber an den positiven Dingen erfreut.

Die gegensätzlichen Lebensumstände leuchten ein. Wäre ein Insulaner in der Metropole “überlebensfähig”- und umgekehrt?

Schwer zu sagen. Man sieht so ganz verschiedene Formen von Armut. In der Stadt fehlt vor allem Einkommen, auf der Insel fehlt Wasser.
Was davon schlimmer ist kann man so gar nicht sagen. Egal wie rum, das Leben verlangt eine Menge Anpassungsfähigkeit und Gewöhnung, aber die Menschen hier sind extrem leidensfähig und haben echt Ausdauer, vor allem die Mütter, auf der Insel war das sehr eindrücklich.

Ein häufiger Kritikpunkt an Entwicklungsarbeit ist ja, daß sie zu wenig Zusammenarbeit beinhaltet in Anhängigkeiten zwingt und nicht auf die wahren Bedürfnisse der Menschen eingeht. Wie erlebst du die Arbeit und Programme der Partnerorgansisation Alouette?  Ergeben sich aus den unterschiedlichen Situationen nicht auch angepasste Bedürfnisse zur Hilfe?

Auf der Isla Verde haben manche Mütter bis zu 12 Kinder. Der Vater ist zum Beispiel in der Stadt um geld zu verdienen, damit ist die Mutter zu hause allein für den Haushalt zuständig, das Geld vom Vater reicht natürlich nicht, einige Kinder arbeiten kräftig mit und können nicht mehr zur Schule gehen, weil es sonst nicht genügend zu essen gibt. Egal ob 2,7 oder 12 Kinder, wenn das Geld nicht reicht um die Schulausbildung mitzutragen, dann ist auch erstmal eine gewisse Abhängigkeit vorhanden. Oft ist auch das Hauptproblem der Familie, dass sie auf das einkommen eines Kindes im Alltag nicht verzichten können um die Familie zu ernähren, die Schulgebühren sind erstmal zweitrangig. Hinzu kommt, dass es wenig Möglichkeiten gibt, auf der Insel Geld zu verdienen. Die Alouette fördert Eigeninitiative und auch das Erschließen weiterer Einkommensquellen, um kein Abhängigkeiten aufkommen zu lassen. Die Alouette versteht sich als Partner der Familien, stellt aber auch klar, dass es ohne die Eltern nicht funktioniert.

Was sind die drei wichtigsten Dinge, die Du mit im Rückreisegepäck haben wirst?

Rückreisegepäck… Schwer…
Eine Menge wertvolle Erfahrungen und Eindrücke, die man zu Hause nicht so schnell findet, neue Bekanntschaften (das lässt sich hier nicht umgehen bei der Gastfreundlichkeit) und hoffentlich ein paar Ideen, die hier  auch wirklich helfen können. Und  natürlich Mangos…

Jeanne, wir danken für das Interview und wünschen dir weiterhin eine gute Zeit!