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Zwischen Ascheregen und Coronakrise. Warum wir uns am Taal engagieren.

Wer wie wir zuletzt auf dem Weg zur Isla Verde die Vulkanregion des Taal passiert, käme erst garnicht auf den Gedanken,  daß die unvorhersehbare und hohe Aktivität auch Anfang des Jahres wieder große Gefahr und Leid über tausende Familien gebracht hat, die am Fusse des Taal leben. Zu friedlich wirkt das sich bietende Bild, die Wasseroberläche des  großen Lake Taal glänzt in der Nachmittagssonne. Und als wäre dieses Bild nicht schon malerisch genug, ragt in der Mitte der grüne Kegel der Vulkaninsel hervor. Nicht umsonst gilt die Taal-Region als eine der attraktivsten auf den Philippinen und zieht Einheimische wie Besucher aus aller Welt an.

Kein Hinweis also auf die handbreite Ascheschicht, die das ganze Umland noch vor kurzem in ein dickes und tristes Grau gehüllt hat. Die Bilder gingen um die ganze Welt, traten aber grade vor dem Hintergrund der aktuellen Coronakrise auch schnell wieder in den Hintergrund.

Teile des ersten Ascheregens vom 12. Januar kamen selbst in dem 70km entfernten Manila an. Die lokalen Behörden reagierten mit der sofortigen Evakuierung,  in einem Umkreis von 14km, so dass Zehntausende auf der Flucht waren und kaum Zeit hatten, wichtige Dinge zu versorgen oder mitzunehmen.  Der große Knall in Form einer magmatischen Eruption blieb zum Glück aus,  als die Menschen aber wieder zurück in ihre Dörfer kamen, fanden sie die vollständige Zerstörung ihrer Lebensgrundlage vor: Das Vieh verendet, das Haus unbewohnbar, die Ernte auf den Feldern vernichtet.

Vor diesem Hintergrund und auf die dringliche Bitte unserer Partnerorgansation Alouette stellte sich uns nicht die Frage,  hier sofort finanzielle Mittel für die Erstversorgung zur Verfügung zu stellen. Wie in ähnlichen Fällen, wie zB. dem Wirbelsturm Hayan, war zwar nicht unmittelbar unserer Projektregion betroffen. Das sollte aber nicht die Augen davor verschliessen, daß unsere Hilfe ein paar Kilometer weiter benötigt wird. Auch wenn humanitäre Soforthilfe nicht unser primäres Anliegen ist, werden wir jetzt und auch künftig einen Teil unserer Spendenrückstellungen schnell und unbürokratisch zur Verfügung stellen.

In zwei Hilfsaktionen am 26. Januar und 2. Februar konnten insgesamt 505 Familien mit  den notwendigsten Lebensmitteln, Sanitärartikeln, Medikamenten, Schulmaterialien und Schlafutensilien für die Notunterkünfte versorgt werden.  Hierfür wurden insgesamt fast 9000€ aus Mitteln von chance for growth e.V. und der Alouette Foundation aufgewendet und mit großer Dankbarkeit entgegengenommen.

Bei einer ersten Evaluation und „vor-Ort“ Besichtigung zeigte sich das ganze desaströse Ausmaß dieser Naturkatastrophe. In der aktuellen Coronakrise sind die Bewohner jetzt auch noch zu Isolations- und Quarantänemaßnahmen gezwungen, die angesichts der bestehenden Obdachlosigkeit und Unterbringung in Notunterkünften wie ein böser, ironischer  Scherz wirken. 

So wird es wohl eine unabsehbare Zeit dauern, bis das Leben der Bewohner in der Taal- Region wieder annähernd dem Bild gerecht wird, das man aus der Distanz hinter den Fensterscheiben eines Busses bekommt. /CK